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19. Jahrestagung der DGGTB
vom 24. bis 27. Juni 2010
Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung, Universität zu Lübeck
Königstraße 42, 23552 Lübeck


In allen Gesellschaftsepochen haben biologische Kenntnisse die Gesellschaft und das Selbstverständnis des Menschen mehr oder weniger stark beeinflusst. Sowohl in den antiken Beschreibungen der Lebensformen als auch den Interpretationen ihres Gewordenseins und ihres Werdens in den kulturellen, religiösen oder philosophischen Auseinandersetzungen seit dem 18. Jahrhundert bis hin zu den Heraus-
forderungen bei der Gestaltung der Lebensgrundlagen der menschlichen Gesellschaft in einer zunehmend technisierten Welt haben die Erkenntnisse der Biologie oft im Mittelpunkt gesellschaftlicher Aufmerksamkeit gestanden.
Mittlerweile ist die Biologie durch die wissenschaftlichen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts (z.B. Molekulargenetik, Entwicklungsbiologie, Systematik, Verhaltenseigenschaften, Ökologie) zu einer Leitwissenschaft des 21. Jahrhunderts geworden. Vor allem die Molekulargenetik hat dazu beigetragen, die Abstammungsverhältnisse der Organismen in ihren genetischen Grundlagen zu erkennen und die Systematik der artspezifischen Verwandtschafts-
beziehungen anzupassen.

 

Gemeinsam mit der modernen Medizin eröffnen die Ergebnisse der Biowissenschaften z.B. neue Möglichkeiten der Optimierung der menschlichen Reproduktion, die inzwischen in vielen Kliniken zur täglichen Praxis geworden sind. Vor allem mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms erhofft man sich, genetisch bedingte Krankheiten heilen zu können. Den Anwendern und Vermarktern schwebt dabei die zweifellos kritisch zu bewertende Vision eines „Homo erectus optimalicus“ vor. Es zeigt sich, dass die Entschlüsselung des menschlichen Genoms nur ein erster Schritt zum Verständnis der Vorgänge im Genom ist. Historisch und methodologisch ist ableitbar, dass es keine Linearität im Schließen von der Sequenz, der Lokalisierung und der Anordnung von Genen im Genom auf die genetische Steuerung der Humanontogenese geben kann.

 

Obwohl oder gerade weil viele der Versprechen der Forscher und/oder Anwender und/oder Vermarkter noch Zukunftsmusik sind, fordern sie nicht nur ethische Diskussionen heraus, sondern verlangen auch eine Analyse der Entwicklungsrichtungen, die unsere Spezies als Teil des Bios einschlagen kann bzw. einschlagen sollte.


Die DGGTB hat sich bereits auf einigen Jahrestagungen mit Aspekten der Genetik, wie sie in der Evolutionstheorie und der Biodiversität, der Verhaltensforschung, der Meeresforschung und im Umweltschutz von Bedeutung sind, beschäftigt. Für das auf der Jahrestagung 2009 beschlossene, alle Bereiche der Biologie erfassende bzw. tangierende Generalthema „Biologie und Gesellschaft“ bot es sich erneut an, die Geschichte der Genetik und der gesellschaftlichen Wahrnehmung ihrer Akteure und Resultate anhand einzelner Schwerpunkte zu untersuchen und zu diskutieren, welche Auswirkungen sich aus den Erkenntnissen der Genetik für die gesellschaftliche Entwicklung ergeben haben bzw. ergeben werden. Für die Jahrestagung hat der Vorstand folgende Schwerpunkte erarbeitet:

  • Aufklärung von Struktur und Funktion der Gene sowie gentechnische Utopien
    Revolutionierung klassischer Disziplinen unter dem Einfluss der Gensequenzierung und des Genomvergleichs
  • Molekulargenetische Wunschvorstellungen vom menschlichen Genom sowie pharmazeutische Versprechen in Konfrontation mit den tatsächlichen Möglichkeiten und dem gesellschaftlichen, moralisch-ethischen Diskurs. Ein moderiertes wissenschaftshistorisches Gespräch.
  • Ethikdiskussion: Ein Weg zur Regulierung des Erkenntnisfortschritts?
  • Biologie, Gentechnik und Kunst

Wie auf den vergangenen Jahrestagungen konnten in diesen Schwerpunktthemen ausgewiesene Wissenschaftler für Übersichtsvorträge gewonnen werden.

 

 

 

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