Jahrbuch für Geschichte und Theorie der Biologie 5

Gutmann, Mathias; Weingarten, Michael (Hg.)
Jahrbuch für Geschichte und Theorie der Biologie 5 / 1998
240 S., 17 x 24 cm, 23 Abb.
VWB-Verlag, Berlin 1998
ISBN 3-86135-365-2
27,00 Euro
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Themenschwerpunkt: Art und Population

Die Diskussion um Darwin und den Darwinismus hat in den letzten Jahren wieder erheblich zugenommen. Zurückzuführen ist dies nicht nur auf den durch die große Darwin-Ausgabe möglich gewordenen genauen Einblick in die Herausbildung der Darwinschen Theorie, sondern auch und gerade durch die Veränderungen im evolutionsbiologischen Diskurs seit ungefähr 1970. Denn je stärker die klassische Synthetische Theorie in Erklärungsnot bezüglich ihres eigenen Selbstverständnisses und Programmes geriet, desto stärker erhoffte man sich Aufschluss aus den Werken des Begründers der modernen Evolutionstheorie selbst. Zudem wenden sich Wissenschaftstheoretiker bzw. wissenschaftstheoretisch orientierte Biologen der Rekonstruktion der Darwinschen Theorie mit den heute zur Verfügung stehenden Mitteln zu, so dass auch dadurch neue Fragen an die Entwicklung und den Verlauf der evolutionsbiologischen Diskussion provoziert werden.

Zugleich wird aber immer deutlicher, dass es den großen kontinuierlichen und homogenen Strom der Wissenschaftsentwicklung von Darwin ausgehend hin zu unserer Gegenwart nicht gegeben hat: Dass sowohl innerhalb derjenigen Biologen, die sich selbst als Darwinisten verstanden, als auch in dem großen und breiten Spektrum Darwin- und Darwinismus-kritischer biologischer Theorien höchst unterschiedliche und in ihren Grundannahmen divergente Verständnisse von Evolution und deren Mechanismen zu finden sind. Nicht zuletzt betrifft dies die deutschsprachige Tradition, für die noch immer weitgehend ungeklärt ist, ob es in ihr jemals wirklich zu einem adäquaten Verständnis der populationsbiologischen Grundlagen der Evolutionsbiologie gekommen ist, oder ob nicht vielmehr die Dominanz des art-begrifflichen Denkens, unabhängig von den politisch-ideologischen Dimensionen, den Zugang zu Darwins Theorie versperrte.

Mit der Veröffentlichung einer Vorlesung aus dem Nachlass von G. Heberer (weitere Aufbereitungen des Nachlasses sind geplant) soll die Klärung solcher Fragen weiter vorangetrieben werden. Auch eine verstärkte Beschäftigung mit dem Lebenswerk von K. Lorenz erscheint unter diesen Gesichtspunkten dringend erforderlich. Schließlich hoffen wir, dass verstärkt von seiten der Botanik sowohl historische als auch systematische Beiträge im Jahrbuch abgedruckt werden können. Denn insgesamt scheint uns die Diskussion um Evolution immer noch viel zu sehr durch die Zoologie dominiert sein; die zum Teil doch ganz anderen Problemlagen und Diskussionsverläufe in der Botanik finden kaum die ihnen gebührende Aufmerksamkeit.  […]

Inhalt

Vorbemerkung S. 5 – 6
Peter Beurton:
Darwins Notebooks und die Ausbildung der Selektionstheorie
S. 7 – 34
Christine Hertler:
Funktion und Entwicklung in der Morphologie. Zur Rolle des Organismus in Darwins Evolutionstheorie
S. 35 – 55
Kristian Köchy:
Der “Grundwiderspruch der Naturwissenschaften” mit umgekehrtem Vorzeichen: Fechners Kritik an Darwin als Fallbeispiel für den verschlungenen Entwicklungsgang der biologischen Theorien
S. 55 – 70
Detlev Weinich:
Konrad Lorenz – Ein Darwinist? Zum Theoriebegriff der ‘Zivilisationspathologie’
S. 71 – 103
Uwe Hoßfeld:
Dobzhansky’s Buch “Genetics and the Origin of Species” (1937) und sein Einfluß auf die deutschsprachige Evolutionsbiologie
S. 105 – 144
Hildemar Scholz:
Grundzüge des Generationswechsels und Sprosswechsels bei Samenpflanzen
S. 145 – 155
Otto Kraus & Uwe Hoßfeld:
40 Jahre “Phylogenetisches Symposium” (1956-1997): eine Übersicht
S. 157 – 186
Camilla Warnke:
Schellings Idee und Theorie des Organismus und der Paradigmawechsel der Biologie um die Wende zum 19. Jahrhundert
S. 187 – 234
Ursula Wolf:
Anmerkungen zu Th. Galert “Mitleidsethik und der moralische Status der Tiere”
S. 235 – 237

 

 

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