Jahrbuch für Geschichte und Theorie der Biologie 9

Gutmann, Mathias; Rupke, Nicolaas; Weingarten, Michael (Hg.)
Jahrbuch für Geschichte und Theorie der Biologie 9 / 2003
212 S., 17 x 24 cm
VWB-Verlag, Berlin 2004
ISBN 3-86135-369-5
27,00 Euro
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Themenschwerpunkt: Konstruktions- und Funktionsmorphologie

Angesichts der Dominanz von Molekularbiologie, Entwicklungs- und Populationsgenetik sowie deren anwendungsorientierten Umsetzungen in den Bio- und Gentechniken mag es auf den ersten Blick merkwürdig überholt erscheinen Probleme der Morphologie nicht in einer ausschließlich wissenschaftshistorischen Perspektive, sondern sie als ein aktuelles wissenschaftsphilosophisches Problem zu thematisieren. Doch ein genauerer Blick auf die in den gegenwärtig dominanten Disziplinen der Biowissenschaften verhandelten theoretischen und methodischen Probleme zeigt sehr deutlich, dass viele der in der Morphologie behandelten Grundprobleme als ebensolche auch in der Molekularbiologie und den Genetiken zu verhandeln sind: Als erstes wären sicherlich zu nennen all die Probleme, die mit dem Vergleichen als einer Grundoperation jeglicher Wissenschaft verknüpft sind. Zum zweiten müssen auch die Genetiken auf einen Bauplan-Begriff rekurrieren, den sie weitgehend unreflektiert aus der morphologischen Tradition übernehmen. Drittens sehen sich die Genetiken konfrontiert mit Struktur-Funktionszusammenhängen, für deren Aufklärung das Wissen um zwar disziplinspezifisch gebrochene, aber methodisch entsprechende Debatten in der Morphologie hilfreich sein kann. Und schließlich wird mit dem Problemkreis von Modellen und Modellierungen ein Bereich angesprochen, der wiederum alle Wissenschaften in je spezifischer Weise betrifft.

Die in diesem Band abgedruckten Beiträge beabsichtigen nicht eine historische Würdigung und Rekonstruktion der Konstruktionsmorphologie und insbesondere der Theorie des Hydroskelettes, so wie Wolfgang Friedrich Gutmann sie in vielen seiner Schriften methodisch skizziert und in seinen materialreichen Arbeiten am biologischen Objekt durchgeführt hat. Vielmehr werden seine Überlegungen und Ausarbeitungen aufgegriffen, um mit ihm über ihn hinaus nicht nur die Grundlagen der Konstruktions- und Funktionsmorphologie selbst weiter zu klären, sondern eben auch, um den disziplinären Status morphologischer Forschung im Kontext gegenwärtiger biowissenschaftlicher Forschung zu bestimmen. In dieser systematischen Absicht wissen sich insbesondere die Herausgeber mit W F. Gutmann einig – wünschte er sich doch immer einen produktiven und das heißt eben auch einen vorliegende Ausführungen modifizierenden Umgang mit Konstruktionsmorphologie und Hydroskelett-Theorie, nicht einfach ein bloß feierliches und damit folgenloses Nachbeten schon vorhandener Einsichten. Zugleich wissen wir aber auch aus den intensiven Diskussionen mit ihm in den letzten Jahren seines Lebens, dass er mit vielen systematisch zentralen Ausführungen und Erweiterungen zum Modell-Begriff, zum Verhältnis von Morphologie und Evolutionstheorie, zur Unterscheidung zwischen und der Bestimmung des Bezugs von Funktions- und Konstruktionsmorphologie so nicht einverstanden gewesen wäre resp. sie nur knurrend als eine zwar mögliche, aber eben doch wohl als eine mögliche Weiterentwicklung seines eigenen Forschungsprogrammes ins Auge gefasst hätte, die genau nicht seine gewesen war. […]

Inhalt

Vorbemerkung S. 5
Wolf-Ernst Reif
Cladistic Exemplification. Geschichtsbefrachtete Merkmalsbeziehungen: ein radikaler Lösungsvorschlag für das Problem der Homologie
S. 7 – 24
Dieter Stefan Peters
Fast ein Durchbruch
S. 25 – 32
Tareq Syed
Wie neu ist die “New Animal Phylogeny”? Eine mögliche Synthese morphologischer und molekularer Befunde zur Bauplan-Evolution
S. 33 – 76
Mathias Gutmann & Michael Weingarten
Die Hydroskelett-Theorie: Antidarwinistische Alternative oder notwendiges Instrument evolutionärer Rekonstruktion?
S. 77 – 128
Wolfgang Friedrich Gutmann
Die Hydroskelett-Theorie
S. 129 – 194
Sebastian Linke
Die Kontroverse der Soziobiologie – Entstehung und
Wirkungsgeschichte einer umstrittenen Theorie
S. 195 – 216
Die Autoren S. 217

 

 

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