Band 13 – Physische Anthropologie – Biologie des Menschen

Kaasch, Joachim; Kaasch, Michael; Rupke, Nicolaas A. (Hg.)
Physische Anthropologie – Biologie des Menschen
Beiträge zur 14. Jahrestagung der DGGTB in Göttingen 2005
(Verhandlungen zur Geschichte und Theorie der Biologie 13)
318 S., 17 x 24 cm
VWB-Verlag, Berlin 2007
ISBN     978-3-86135-392-8
34,00 Euro
direkt beim Verlag bestellen

Das Thema “Physische Anthropologie – Biologie des Menschen” stand im Mittelpunkt der 14. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Geschichte und Theorie der Biologie in Göttingen. Zu den herausragenden Gelehrten der Göttinger Alma Mater gehörte der Naturforscher Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840), der als einer der Väter der modernen Naturforschung gilt. Seinem Wirken sind Beiträge zu den Göttinger Studienjahren des Botanikers Matthias Jacob Schleiden (1804–1881) und dessen Rezeption der Blumenbachschen Rassenlehre sowie zu einer Fehlinterpretation der Blumenbachschen Ansichten durch den bekannten amerikanischen Evolutionstheoretiker Stephen Jay Gould (1941–2002) gewidmet. Weitere Ausführungen beschäftigen sich mit dem Zwiespalt zwischen dem Anspruch der Anthropologie als “dritter Biologie” neben Botanik und Zoologie und dem seit Jahren zu beobachtenden personellen und institutionellen Schrumpfen des Wissenschaftssystems “Anthropologie”. Unterschiedliche Bilder von Urmenschen als zeitgebundene Darstellungen in der Anthropologie werden behandelt, die Erforschung von Vorkommen und Herkunft der Wildformen unserer Kulturpflanzen wird mit anthropologischen Fragestellungen verbunden und das Prinzip der “funktionellen Anpassung” des Anatomen Wilhelm Roux (1850–1924) in seiner Bedeutung für die physische Anthropologie und die Orthopädie diskutiert. Einen Schwerpunkt des Bandes bilden Forschungsreisen und ihre Nachwirkungen, u. a. die Sibirienreise von Daniel Gottlieb Messerschmidt (1685–1735), die Deutsche Indien-Expedition des Anthropologen Egon Freiherr von Eickstedt (1892–1965) sowie die Entwicklung eines Vereins zur “Verbreitung von Naturkenntniß und höherer Wahrheit”, der zum Andenken an den auf einer Forschungsreise in Sizilien ermordeten Künigsberger Botaniker August Friedrich Schweigger (1783–1821) durch dessen Bruder, den Hallenser Physiker Johann Salomo Christoph Schweigger (1779–1857), ins Leben gerufen wurde. Weitere Themen sind die Karlsschulrede von 1793 des Württemberger Naturforschers Carl Friedrich Kielmeyer (1765–1844), die Ansichten zur Biologie des Menschen von Gottfried Reinhold Treviranus (1776–1837) und die besondere Beziehung des Industriellen und Zoologie-Dilettanten Friedrich Alfred Krupp (1854–1902) zur Stazione Zoologica in Neapel. Alternative Evolutionskonzepte, wie die idealistische Morphologie des Anatomen Wilhelm Lubosch (1875–1938) und die Orthogenese, bilden den Schwerpunkt weiterer Beiträge. Dazu kommt ein Bericht über ein konfliktbeladenes Lehrer-Schüler-Verhältnis um den Zoologen Fritz Simon Bodenheimer (1897–1959) und den Entomologen Gottfried Fränkel (1901–1984) an der Hebräischen Universität in Jerusalem sowie ein Vergleich der Lebensschicksale zweier streitbarer Vertreter der Biologie des 20. Jahrhunderts in Deutschland: Ernst Georg Pringsheim (1881–1970) und Gerhard Helmut Schwabe (1910–1987). Das Problem der Forschung bzw. Nichtforschung im Bereich der Biowaffen, Debatten um die künstliche Jungfernzeugung und literarische Überlegungen zu Mensch und Tier ergänzen das Spektrum des Bandes.

Inhalt

Michael Kaasch, Joachim Kaasch und Nicoolaas A. Rupke
Editorial
S. 7 – 8
Ilse Jahn
Die Göttinger Studienjahre von Matthias Jacob Schleiden 1832/1835 und seine Rezeption von Blumenbachs Rassenlehre in seinen Vorlesungen über Physische Anthropologie
S. 9 – 15
Thomas Junker
Johann Friedrich Blumenbach, Stephen Jay Gould und die natürliche Einheit der Menschen
S. 17 – 28
Volker Schurig
Konkurrierende Begründungen einer Sonderstellung der Anthropologie im System der Biowissenschaften
S. 29 – 54
Konstanze Weltersbach
Homo neanderthalensis und Urmensch: Rekonstruktionen und Lebensbilder
S. 55 – 69
Marianne Klemun
Anthropologie und Botanik: Ursprünge der Kulturpflanzen und Muster ihrer weltweiten Verteilung. Franz Ungers “bromatorische Linie” (1857) zwischen Humboldts Pflanzengeographie und den Vavilovschen Genzentren (1926)
S. 71 – 96
Stefan Kirschner
Wilhelm Roux’ Prinzip der “funktionellen Anpassung” und seine Bedeutung für die physische Anthropologie
S. 97 – 105
Marita Hübner
Zur politischen Bedeutung der Forschungsreise Daniel Gottlieb Messerschmidts nach Sibirien in den Jahren 1720–1727
S. 107 – 117
Dirk Preuss
Die “erste vorwiegend physisch-anthropologische Expedition überhaupt”? – die Deutsche Indien-Expedition 1926–1929
S. 119 – 133
Michael Kaasch und Joachim Kaasch
“Verbreitung von Naturkenntniß und höherer Wahrheit” – Das Vermächtnis des als “Opfer seiner Wissenschaft gefallenen” Botanikers August Friedrich Schweigger (1783–1821)
S. 135 – 163
Mathias Grote
Die “Kräfte der Organischen”: Transformationen des Naturbildes in C.  F. Kielmeyers Karlsschulrede
S. 165 –175
Elke Witt
Die wechselnden Gewänder der Natur: Die Biologie nach Gottfried Reinhold Treviranus
S. 177 – 185
Christiane Groeben
Alfred Krupp, Anton Dohrn und Salvatore Lo Bianco: Pelagische Tiefseekampagnen um Capri 1900–1902
S. 187 – 200
Kay Meister
Anatomie ohne Kausalbezug – die Idealistische Morphologie Wilhelm Luboschs (1875–1938)
S. 201 – 226
Igor Popov
Directed Evolution Idea (Orthogenesis) and Ist Implications Concerning Human Evolution
S. 227 – 242
Frank Leimkugel
Der Entomologe Gottfried Fränkel und sein Konflikt mit Fritz Bodenheimer an der Hebräischen Universität Jerusalem – ein Beitrag zum Einstein-Jahr 2005
S. 243 – 250
Dieter Mollenhauer
Was ist die Umwelt des Menschen? – Versäumte Nutzung von (anthropo-)ökologisch wichtigen Konzepten der Biologen Ernst Georg Pringsheim und Gerhard Helmut Schwabe
S. 251 – 276
Dieter Zissler
Von Tier und Mensch
S. 277 – 284
Erhard Geissler
Aufstieg und Fall des Whistleblowers Dr. Ehrenfried Petras oder Warum sich die westdeutschen Biowafen als Massen-“Verschwindungs”-Waffen erwiesen
S. 285 – 298
Heiner Fangerau
Künstliche Jungfernzeugung – Akzeptanz und Ablehnung einer Biotechnologie
S. 299 – 309
Personenregister S. 310

 

 < Band 12
—  zum Seitenanfang  — Band 14 >