Band 9 – Die Entstehung biologischer Disziplinen II

Hoßfeld, Uwe; Junker, Thomas (Hg.)
Die Entstehung biologischer Disziplinen II
(Verhandlungen zur Geschichte und Theorie der Biologie 9)
409 S., 17 x 24 cm
VWB-Verlag, Berlin 2002
ISBN     978-3-86135-388-1
34,00 Euro
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Die Deutsche Gesellschaft für Geschichte und Theorie der Biologie (DGGTB) führte im “Jahr der Lebenswissenschaften” 2001 ihre 10. Jahrestagung in Berlin, dem Ort ihres Gründungsaufrufs, durch. Auf Einladung der biologischen Institute der drei Berliner Universitäten sowie des Museums für Naturkunde, des Botanischen Gartens und Museums in Dahlem, des Zoologischen Gartens, des Tierparks Friedrichsfelde, des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte und der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin diskutierten die Tagungsteilnehmer “Die Entstehung biologischer Disziplinen”. Das Disziplinenspektrum der Biologie unterliegt einem steten Wandel. Neue Methoden, Objekte und Konzepte eröffnen neue Richtungen, die sich im Kontext sozialer Interessen verfestigen oder verflüchtigen. Waren in den vergangenen Jahren eher ausgewählte Einzeldisziplinen Gegenstand historischer und theoretischer Reflexionen, so wurden dieses Jahr allgemeine Merkmale der Bildung neuer Fächer abgeleitet und an zahlreichen historischen Fallbeispielen erörtert.

Der vorliegende Band fasst die allgemeineren Beiträge zum Begriff und System der Biologie und zur Dynamik biologischer Disziplinen sowie die Vorträge zur Geschichte der Evolutionsbiologie, der Anatomie, Pathologie und Zoologie zusammen und gedenkt mit einer Laudatio von Jürgen Haffer eines außergewöhnlichen Doktorjubiläums. Vor 75 Jahren wurde das Gründungsmitglied der DGGTB Ernst Mayr (Harvard, Cambridge/Massachusetts) an der Berliner Universität promoviert. Besondere Akzente werden im weiteren durch Abhandlungen zum Biologiebegriff, zum Warum der Biologiegeschichte (Ilse Jahn) zu den Besonderheiten der Biologie bzw. Pathologie in Italien und Russland oder zur Bedeutung von Georges de Cuvier (1769–1832), Hans Böker (1886–1939) und Karl Popper (1902–1994) wie auch von weltreisenden Naturforschern für die Evolutionsbiologie gesetzt. Ulrich Kutschera berichtet über “Kreationismus in Deutschland”. Weitere Beiträge sind dem Anatomen Johann Friedrich Meckel d.J. (1781–1833) und der ersten Bonner Professorin Maria Gräfin von Linden (1869–1936), der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin sowie der Berliner Zoogeschichte gewidmet. – Im Oktober 2001 verstarb der namhafte Anatom und Evolutionsmorphologe Dietrich Starck (1908–2001). Der Band bietet die Gelegenheit, des Gründungsmitgliedes der DGGTB mit einem Nekrolog und einer Werkbibliographie zu gedenken.

Weitere Tagungsbeiträge werden in Band 8 publiziert, der den grundlegenden Einführungsvortrag über “Motive, Verläufe und Wirkungen von Disziplingenesen” (Hubert Laitko) den öffentlichen Abendvortrag mit “Impressionen und Visionen” zur Verhaltensbiologie in Berlin (Günter Tembrock) und die Vorträge zur Geschichte der Botanik, der Ökologie und Naturschutzbiologie sowie zu ausgewählten Forschungsfeldern des 20. Jh. zusammenfasst.


Inhalt

1. Biologie – Begriff und Geschichte, Dynamik und System 
Kai Torsten Kanz
Von der BIOLOGIA zur Biologie – Zur Begriffsentwicklung und Disziplingenese vom 17. bis zum 20. Jahrhundert
S. 9 – 30
Ilse Jahn
Die Dynamik biologischer Disziplinen und ihre Historiographen:
Warum “Biologiegeschichte”?
S. 31 – 38
Ariane Dröscher
Die Entwicklung biologischer Disziplinen an den italienischen Universitäten (1860–1900)
S. 39 – 54
Igor Yu. Popov
“Periodical Systems” in Biology (a Historical Issue)
S. 55 – 68
Georg Toepfer
Das System der biologischen Disziplinen – Geschichte und Theorie
S. 69 – 96
George S. Levit, Michael Gudo und Wolfgang E. Krumbein
Mechanizismus im 21. Jahrhundert
S. 97 – 124

2. Zur Geschichte der Evolutionsbiologie 
Laudatio zum 75. Doktorjubiläum von Ernst Mayr 
Jürgen Haffer
Ernst Mayr – Ornithologist, Evolutionary Biologist, Historian and Philosopher of Science
S. 125 – 132
Fachsitzung Evolutionstheorie im 19. und 20. Jahrhundert
Dirk Backenköhler
Cuviers langer Schaten – “Il n’y a point d’os humains fossiles”
S. 133 – 148
Uwe Hoßfeld
“Konstruktion durch Umkonstruktion” – Hans Bökers vergleichende biologische Anatomie der Wirbeltiere
S. 149 – 170
Frank Zachos
Karl Popper und die Biologie – Zur Falsifizierbarkeit der Evolutionshypothese und der Selektionstheorie
S. 171 – 194
Ulrich Kutschera
Evolution und christlicher Glaube: Kreatonismus in Deutschland
S. 195 – 208
Thomas Junker
Darwinismus oder Synthetische Evolutionstheorie?
S. 209 – 230
Peter Beurton
Zur Ausbildung der synthetischen Theorie der biologischen Evolution
S. 231 – 244
Matthias Glaubrecht
The “Experience” of Nature – From Salomon Müller to Ernst Mayr, Or The Insights of Travelling Naturalists Toward a Zoological Geography and Evolutionary Biology
S. 245 – 282

3. Naturgeschichte, Anatomie, Pathologie und Zoologie – ein Faszikel
Katrin Böhme
Naturgeschichte und Tradition in der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin
S. 283 – 302
Luminita Göbbel und Rüdiger Schultka
Der Anatom Johann Friedrich Meckel d.J. (1781–1833) und sein Beitrag zur Begründung der vergleichenden Anatomie als Wissenschaft
S. 303 – 328
Larisa Shumeiko
Die allgemeine Pathologie in der russischen, in der sowjetischen und in der nachsowjetischen Medizin
S. 329 – 348
Helga Eichelberg
Maria Gräfin von Linden – die erste Bonner Professorin
S. 349 – 354
Harro Strehlow
200 Jahre Zoogeschichte in Berlin – Beiträge zur Wissenschaft
S. 355– 366
Wolfgang Klausewitz
Fragen der kognitiven Ethologie bei Niederen Wirbeltieren, besonders bei Fischen
S. 367 – 376

Nekrolog und Bibliographie
Martin S. Fischer und Uwe Hoßfeld
Professor Dr. Dr. h.c. Dietrich Starck in memoriam (29. September 1908 – 14. Oktober 2001)
S. 377– 396

 

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