CfA ‘Das populäre Tiersachbuch’  |  Frist: 31.07.2018

 

Die Charakterisierung von Wild‐ und Haustieren in populärwissenschaftlichen Texten ist ein traditionelles und viel gelesenes Segment auf dem Buchmarkt. Aktuell erleben tierkundliche Sachbücher eine Hochkonjunktur und belegen erste Plätze auf den Bestsellerlisten. Bereits seit der Moderne tritt uns in zoologischen Enzyklopädien, Tierreportagen und populärwissenschaftliche Natur‐ und Kulturgeschichten das Tier im Sachbuch entgegen. Die Tierbeschreibungen unterliegen dem Blickwinkel und Kenntnisstand ihrer jeweiligen Zeit. Prominentes Beispiel für die Moderne ist Alfred Brehms Illustrirtes Thierleben von 1863, das seinen Erfolg als All‐Age‐Buch insbesondere seinen hochwertigen Illustrationen und spannenden Tierporträts verdankt. Die frühe Massengesellschaft um 1900 entdeckt Bienen, Termiten und Ameisen. Die beschränkte Ökonomie der 1920er beschreibt das Tier mitfühlend als gefangenen Leidensgenossen. Die Kritik der repressiven Gesellschaft der 1960er schreibt die Geschichte der Tiere als falsche Domestizierungsgeschichte. In der neuen Konsumgesellschaft wird tierisches Verhalten in Begriffen von Mode, Unterhaltung und Sexualpraxis geschildert. Die Gesellschaft entdeckt und beschreibt sich als das Wir im Tier.

Seit dem „Animal Turn“ sind vielgestaltige und aussagekräftige Arbeiten im Forschungsbereich „Animal Studies“ entstanden, der Blick auf die Publikationspraxis der Autoren, Verleger und Leser von tierkundlichen Sachbüchern fehlt indes.

Die Zeitschrift Non Fiktion ist der Publikationsform Sachbuch gewidmet (http://www.sachbuchforschung.uni-mainz.de/non-fiktion/). Für 2019 ist ein Spezialheft zum Tiersachbuch geplant. Nach den in der Vorgängerpublikation „Klassiker der Sachliteratur“ (Non Fiktion 2015) in der Rubrik Naturgeschichte für den Zeitraum 1800 bis 1900 aufgeführten Texten von Autoren wie Forster, Humboldt, Brehm, Bölsche und Haeckel sollen nun ihre Nachfolger in den Fokus gerückt werden. Dies sind beispielsweise: Paul Eipper, Bernhard Grzimek, Konrad Lorenz, Horst Stern, Heinz Sielmann, Josef H. Reichholf, Andreas Weber, Markus Bennemann, Bernhard Kegel und Karsten Brensing.

Zu den Werken dieser Schriftsteller, ihrer Verleger und Leser des Tiersachbuchs und anderer, hier nicht genannter und vergessener Autoren bitten die Herausgeber um Beitragsvorschläge.

Den Beiträgen können folgende Fragestellungen zugrunde liegen:

  • Unter welchen professionellen Bedingungen schreiben die Autoren über das Tier?
  • Welche naturwissenschaftlichen, gesellschaftlichen oder kulturellen Diskurszusammenhänge bedingen die inhaltlichen Formungen?
  • Gibt es typische sprachliche Formen und Stile der Sachtexte?
  • Welche Erfolgsfaktoren lassen sich für die hohe Popularität des Tiersachbuchs bis heute benennen?
  • Welche Strategien sind in der verlegerischen Praxis zu beobachten?
  • In welchen medialen Kontexten werden Tiersachbücher kommuniziert und präsentiert?
  • Welche Rolle spielen die jeweils zeittypischen Abbildungen in der populärwissenschaftlichen Vermittlung der tierkundlichen Kenntnisse?
  • Gibt es spezielle institutionalisierte bzw. habitualisierte Rezeptionsgewohnheiten?

Willkommen sind insbesondere quellengesättigte Fallbeispiele.

Die Herausgeber bitten um ein kurzes Abstract von ca. 450 – 500 Zeichen und eine Kurzvita von ca. 100 Zeichen bis zum 31. Juli 2018 an Michael Schikowski, Köln, schikowski@immerschoensachlich.de und Ute Schneider, Mainz, uschneid@uni-mainz.de. Eine Entscheidung über die Aufnahme der Beiträge, die eine Länge von 10.000 – 12.000 Zeichen haben sollen, erfolgt spätestens zum 31. August. Redaktionsschluss für die Beiträge ist der 31. Januar 2019.

Kontakt
Prof. Dr. Ute Schneider
Gutenberg‐Institut für Weltliteratur und schriftorientierte Medien
uschneid@uni-mainz.de