Annals of the History and Philosophy of Biology 20

Deutsche Gesellschaft für Geschichte und Theorie der Biologie (Hg.)
Jörg Pittelkow: Innovation und Tradition. Herbert Bachs Beitrag zur Anthropologie und Humangenetik
(Annals of the History and Philosophy of Biology 20 / 2015)
370 Seiten, 17 x 24, Softcover
Unversitätsverlag Göttingen 2018
ISBN: 978 – 3‐86395 – 355‐3
DOI: https://doi.org/10.17875/gup2018-1084
29,00 Euro
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Inhalt

Einleitung S. 7 – 14
Anthropologie in Jena bis 1960 S. 15 – 52
Traditionslinien S. 15 – 19
Institutionalisierung – Ära Günther S. 20 – 26
Konsolidierung – Ära Struck S. 27 – 52
Bachs Weg zur Anthropologie S. 53 – 82
Jugendzeit bis Studienbeginn S. 53 – 54
Studium S. 55 – 58
Assistenzzeit am Ernst‐Haeckel‐Haus S. 59 – 63
Assistenzzeit am Institut für Anthropologie und Völkerkunde S. 64 – 69
Akademische Qualifizierung S. 70 – 75
Anthropologische Auffassungen S. 76 – 82
Das Direktorat Bach S. 83 – 182
Perspektivsuche und Neuorientierung – die 1960er Jahre S. 83 – 100
Das etablierte Institut – die 1970er und 1980er Jahre S. 101 – 113
Außeruniversitäre Verankerung S. 114 – 127
Forschungsprojekte S. 128 – 150
Sonstige akademische Aktivitäten S. 151 – 158
Wirken als Hochschullehrer S. 159 – 182
Publizistisches Werk S. 183 – 201
Überblick S. 183 – 185
Osteologische Untersuchungen S. 186 – 188
Anthropologische Untersuchungen am Lebenden S. 189 – 190
Humangenetische Beratung S. 190 – 191
Anthropogenese und regionale Differenzierung S. 191 – 193
Anthropologiegeschichte und Lage der Anthropologie S. 194 – 196
Mensch‐Umwelt‐Beziehung S. 197 – 198
Beiträge in Nachschlagewerken S. 198 – 200
Sonstiges S. 201 – 202
Inhaltliche Schwerpunkte S. 202 –226
Resümee S. 227 – 234
Archivalien und Literatur S. 235 – 290
Archivalien S. 235 – 238
Literatur S. 239 – 288
Abbildungsverzeichnis S. 289 – 290
Personenregister S. 291 – 294
Anhang S. 295

 

Zusammenfassung / Abstract

Das Buch befasst sich mit dem Beitrag Herbert Bachs (1926 – 1996) zur Anthropologie und Humangenetik. Untersucht wurden seine wissenschaftlichen Leistungen auf diesen Gebieten, seine wissenschaftsorganisatorischen Aktivitäten, vor allem als Institutsdirektor, sein Wirken als Hochschullehrer und sein publizistisches Werk.
Ausgehend von seinen Vorgängern im Institutsdirektorat, Hans Friedrich Karl Günther (1930 – 1935) und Bernhard Struck (1936 – 1960) wird der Erneuerung der Anthropologie in Jena nachgegangen. Hierbei zeigte sich, dass Bach immer vom Grundsatz der engen Verflechtung von Anthropologie und Humangenetik, insbesondere von der Möglichkeit der Kausalanalyse anthropologischer Befunde mit Hilfe der Genetik ausging. Innerhalb des Instituts legte er die anthropologischen Schwerpunkte auf die Entwicklungs‐ und die Prähistorische Anthropologie, während er die Humangenetik auf Weiterentwicklung und Anwendung der Labordiagnostik sowie auf die humangenetische Beratung konzentrierte. Seine persönlichen Arbeitsgebiete waren die Prähistorische Anthropologie sowie die humangenetische Beratung und deren Grundlagen. Die Lehre weitete er sowohl hinsichtlich des Inhalts als auch Adressatenkreises erheblich aus, wobei er sich unter anderem für die Integration anthropologischer und humangenetischer Lehrgebiete in das Medizinstudium engagierte. Als Direktor wandelte Bach das anthropologisch‐völkerkundliche Institut in eine moderne anthropologisch‐humangenetische Lehr‐ und Forschungsstätte um und prägte zugleich den Aufbau des humangenetischen Beratungsdienstes der DDR wesentlich.

This book examines the contribution of the German biologist Herbert Bach (1926 – 1996) to physical anthropology and human genetics in Eastern Germany. It highlights his scientific achievements and publications, his work as director (1960 – 1993) and lecturer at the Institute of Anthropology in Jena (Germany).
In order to trace his contributions, this work outlines the previous historical development of the Institute of Anthropology under Hans Friedrich Karl Günther (1930 – 1935) and Bernhard Struck (1936 – 1960). Bach fostered the cooperation between anthropology and genetics by examining anthropological data within a genetic framework. His major accomplishments included the prehistoric anthropology of former populations in central Germany and the implementation of genetic counseling services in Eastern Germany. As director of the Institute of Anthropology, he advanced anthropometrie and prehistoric anthropology and expanded teaching in content and scope. He elaborated new anthropological curricula of biologists, teachers and physicians. In addition Bach re‐built the anthropological institute, shifting its focus from ethnology to genetics and expanding the scope of research and teaching. He also integrated the institute into a network of genetic counseling services.

 

Einleitung

Wissenschaftsgeschichte erschöpft sich nicht in der Chronologie der Entdeckungen, Institutionen, Theorieabfolgen oder Fachvertreter, sondern sucht den tatsächlichen Prozess der wissenschaftlichen Genese zu ergründen und darzustellen, womit sich Beziehungen und Überschneidungen mit der Wissenschaftstheorie ergeben. Wissenschaftsgeschichte befasst sich mit einem sehr speziellen Teil der Gesellschaft, in dessen Betrachtung sich die allgemeine Geschichte, die große Politik gleichsam kalaidoskopartig bricht. Gleichgültig, ob einzelne Disziplinen oder die Wissenschaften als Gesamtheit betrachtet werden, wird die Bedeutung der Personen deutlich, die im Spannungsfeld von (wissenschafts)politischem Rahmen und facheigener Logik agieren. Toellner bemerkte treffend:

Aber wer sich mit der Geschichte beschäftigt, merkt sehr schnell, daß Geschichte nicht Gewoge von anonymen Kräften ist, sondern aus Handlungen von Menschen besteht. Und daß es auf diese Menschen und ihre Persönlichkeit immer wieder ankommt.“[1]

Je kleiner eine Disziplin und je geringer mithin die Zahl seiner Vertreter ist, umso bedeutsamer erweist sich für die institutionelle Sicherung und die inhaltliche Entwicklung eines Faches die Persönlichkeit der Akteure, für deren erfolgreiches Wirken neben der fachlichen Versiertheit häufig noch stärker die sozial‐mediative Kompetenz entscheidend ist. Beeindruckend lässt sich dies am Beispiel der Biologischen Anthropologie nachvollziehen, jenem Fach, das sich auf naturwissenschaftlichem Wege der Variabilität des Menschen zuwendet. Ash verwies verschiedentlich auf die Bedeutung des Ressourcenzugangs für die Existenz einer Disziplin beziehungsweise einer Institution.[2] Die Ressourcen beschränken sich nicht auf die klassischen materiellen, finanziellen und personellen Bereiche, sondern schließen auch den Informationszugang, das Eingebundensein in entsprechende Netzwerke wie auch einen wissenschaftspolitischen Rückhalt ein. Die gewählten Strategien sind nicht schlechthin bedeutend für die Erhaltung des Faches, sondern häufig für dessen weitere spezifizierende Entwicklung entscheidend. Entgegen anderer Geschichtsauffassungen, belegt die Wissenschaftsgeschichte die zumindest auf ihrem Gebiet grundlegende Bedeutung der interagierenden Personen, die von Fachtraditionen und zeitgeschichtlichen Umständen geprägt sind, wozu gesellschaftliche Umbruchsituationen im besonderen Maße gehören. Die Betrachtung von Kontinuitäten und Diskontinuitäten unter dem Eindruck gesellschaftlicher Umbrüche im 20. Jahrhundert und der nach der deutschen Wiedervereinigung tiefgründig mögliche Systemvergleich gaben der Wissenschaftsgeschichte neue Impulse. Dabei darf dem Wissenschaftshistoriker wie dem Wissenschaftstheoretiker gleichermaßen die Existenz der DDR durchaus als Glücksfall gelten. Als „Untersuchungsraum“ zeitlich und territorial klar definiert, lassen sich die Entwicklung von Disziplinen im Spannungsfeld von Politik und Wissenschaft nachvollziehen und die Ergebnisse sowie die längerfristigen Wirkungen aus dem Abstand eines Vierteljahrhunderts bewerten. Es ist für den Ost‐West‐Vergleich nicht unbeachtlich, dass die Ausgangssituation nach dem Zweiten Weltkrieg hinsichtlich Entwicklungsstand, akademischer und personeller Tradition, wissenschaftlicher Prägung und Altersstruktur sehr ähnlich war. So ist es immer wieder spannend, dem Agieren der Beteiligten während tiefgreifender akademischer Strukturveränderung, wie beispielsweise der III. Hochschulreform, nachzuspüren und – angesichts des demonstrativen Beharrens auf universitäre Traditionen – festzustellen, welche vom politischen System unabhängige Universalien der Wissenschaftsentwicklung offenbar existieren.[3] Gumbrecht (2008) wie auch Schlak (2008) verweisen auf die Leistungen der Angehörigen des Jahrgangs 1929 beim Wiederaufbau und bei der Gestaltung einer neuen Gesellschaft. Gleiches lässt sich von den im runden halben Jahrzehnt danach und vor allem den in der gleichen Zeitspanne zuvor Geborenen sagen, die aus Krieg und Gefangenschaft heimgekehrt waren. Es ist jene Generation, die den Krieg als existentielle Situation erlebt hatte, die dann seit den 1950er Jahren die Entwicklung in beiden Teilen Nachkriegsdeutschlands getragen und bestimmt hat, wobei es nicht selten zu vorher kaum denkbaren Um‐ und Neuorientierungen, zu erstaunlichen Karrieren und tragisch verlaufenden Lebensentwürfen kam. Der vorliegende, sich auf meine Dissertation gründende Band der Annals wendet sich einem Vertreter eben jener Generation zu, dem 1926 in Gotha geborenen und 1996 in Jena gestorbenen Anthropologen und Humangenetiker Herbert Bach.[4] Im Mittelpunkt der Abhandlung stehen vornehmlich seine wissenschaftlichen und organisatorischen Handlungsfelder. Letztere betrafen in erster Linie die Anstrengungen Bachs, nach Übernahme des Institutsdirektorats im Jahre 1960, unter den Bedingungen einer durch starke Anwenderorientiertheit gekennzeichneten sozialistischen Wissenschaftspolitik den Fortbestand der Einrichtung und eine dem internationalen Stand entsprechende anthropologische Forschung wie auch Lehre zu sichern. Dies gelang sowohl während der III. Hochschulreform in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre als auch Anfang der 1990er Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung. Damit ergibt sich ein Einblick in die Entwicklung der Anthropologie in der DDR, zu der eine umfassende Geschichte noch aussteht. Anhand der Anthropologie als ausgesprochen „kleinem Fach“ und volkswirtschaftlich vordergründig nicht sonderlich wichtiger Disziplin, lassen sich das Wirken externer und interner Faktoren relativ rasch und eindrücklich studieren.

Institutionell war die Anthropologie in der DDR mit dem Institut für An­thropologie an der Humboldt‐Universität Berlin (von 1969 bis 1986 als Bereich An­thropologie dem Museum für Naturkunde und von 1986 bis 1988 dem Bereich Medizin zugeordnet), mit dem Institut für Anthropologie und Humangenetik (vormals Institut für Anthropologie und Völkerkunde beziehungsweise Institut für Anthropologie) der Friedrich‐Schiller‐Universität Jena, mit einer sportanthropologischen Abteilung an der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport in Leipzig sowie mit einer anthropologischen Arbeitsstelle im Zentralinstitut für Alte Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR vertreten. Anthropologen waren zudem in medizinischen Forschungsgruppen und Weiterbildungsinstitutionen und ebenso in ur‐ und frühgeschichtlichen Einrichtungen tätig. Das Berliner Institut war eine Neugründung, die im Jahr 1955 erfolgte, nachdem Hans Grimm dort bereits seit 1948 die An­thropologie forschend und lehrend vertrat.

In Jena, dem einzigen Standort in Deutschland, an dem das Fach sowohl institutionell als auch personell das Kriegsende überstand, waren Prähistorische Anthropologie und Entwicklungsanthropologie sowie Humangenetik mit Diagnostik und Familienberatung die Schwerpunkte, während in Berlin neben der Prähistorischen Anthropologie, die anthropologische Untersuchung am Lebenden mit den Richtungen Akzelerationsforschung und Industrieanthropologie, die mit Reihenuntersuchungen an Kindern begann, die Hauptfelder bildeten. Die Sportanthropologie in Leipzig war wegen der für den Leistungssport typischen Geheimhaltung von einer gewissen Isolierung betroffen.[5]

Eine eigenständige anthropologische Gesellschaft (Deutsche Anthropologische Gesellschaft) entstand zwar erst in der Endphase der DDR, jedoch hatten sich die Anthropologen unter dem Dach der Biologischen Gesellschaft der DDR in der Sektion Anthropologie organisiert. Sie gab auch die Mitteilungen der Sektion Anthropologie heraus.[6]

Die biologische Anthropologie ist noch heute, wie andere das biotisch‐genetische Sein des Menschen hinterfragende Wissenschaften ebenso, bisweilen in der fachfernen Öffentlichkeit umstritten und häufig schlicht missverstanden. Gleichzeitig fasziniert sie mit der Erkundung der Stammesgeschichte und der Erläuterung der mehr oder weniger augenfälligen Verschiedenheit des Menschen. Mittlerweile hat sich ihrer auch das Unterhaltungsgenre angenommen und mit fiktiven forensischen Ermittlern für eine breitere Wahrnehmung des Faches gesorgt. Die Anthropologie ist somit sowohl von ihrem Gegenstand her als auch hinsichtlich ihrer Geschichte in gleicher Weise spannend. Diese war von bisweilen dramatischen Wechselfällen geprägt, wie es für die interdisziplinären und in einem problematischen Wechselverhältnis zur Politik stehenden Humanwissenschaften nicht ungewöhnlich ist.[7] Nicht grundlos leitete von Eickstedt seine Anthropologie‐Geschichte mit mahnenden Worten auch in Richtung wissenschaftlicher Verantwortung ein.[8] Als jene Schrift erschien, hatte sich die nationalsozialistische deutsche Politik längst der ihr genehmen anthropologischen, rassenhygienischen, eugenischen und darwinistischen Erkenntnisse, Theorien und Hypothesen bemächtigt, diese funktionalisiert und in staatliches Handeln umgesetzt. Damit galt das Fach nach dem Zweiten Weltkrieg als diskreditiert, ganz unabhängig vom tatsächlichen Verhalten der einzelnen Anthropologen, von denen einige wegen ihrer Ablehnung der nationalsozialistischen Rassentheorien und des Beharrens auf Wissenschaftlichkeit Verfolgungen zu erdulden hatten. An dieser Hypothek tragend, richteten die Fachvertreter in unterschiedlicher Weise ihre Arbeitsgebiete aus, was vor allem in der DDR zur Selbstbeschränkung der Forschungsfelder führte. Auf diese Bürde hatte Bach in seinen Konzeptionen immer wieder hingewiesen, im Einklang mit den Fachkollegen auf strikt naturwissenschaftlicher Grundlage argumentiert und die Forschung ausgerichtet.

Der vorliegende Band wirft zunächst einen Blick auf die Traditionen der Anthropologie an der Jenaer Universität, um den Ausgangspunkt von Bachs Anstrengungen zur Erhaltung des Faches zu verdeutlichen. Daran anschließend wird der biografische Hintergrund Bachs und sein Weg zur Anthropologie nachgezeichnet. Nach der Darstellung der Konsolidierung der Anthropologie und der Etablierung der Humangenetik in Jena, sollen das publizistische Werk und daraus abgeleitet Bachs fachliche und ethische Grundüberzeugungen im Mittelpunkt stehen.

Neben den Publikationen Herbert Bachs und einschlägigen Veröffentlichungen anderer Autoren, die zum Vergleich und zur Einordnung herangezogen wurden, standen als Quellen die Archivalien des Bundesarchivs in Berlin, des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, des Thüringischen Staatsarchivs Rudolstadt und in großem Umfang des Universitätsarchivs der Friedrich‐Schiller‐Universität zur Verfügung. Am ergiebigsten erwies sich das Material des Universitätsarchivs. Die Unterlagen des Bundes‐ und des Thüringischen Staatsarchivs trugen zur Klärung von Detailfragen zur Biographie und zur Humangenetik bei. Marginalen Erkenntniswert hatten die Akten des Staatssicherheitsdienstes. Immerhin sind einschlägige Verstrickungen der Anthropologie und deren Vertreter nicht erkennbar. Daneben stützt sich die Untersuchung auf die verfügbare Literatur zur Geschichte der Anthropologie und der Humangenetik. Zum Nachlass Bachs bestand bedauerlicherweise kein Zugang.

Während das Thüringische Hauptstaatsarchiv Weimar keine Unterlagen zu den Personen Bach und Struck beziehungsweise zum Institut im Bestand hat, ist der Zugriff auf die Archivalien der Sektion Anthropologie der Biologischen Gesellschaft, die im Berliner Naturkundemuseum lagern, wegen Bauarbeiten derzeit nicht möglich. Im Weimarer Museum für Ur‐ und Frühgeschichte sowie im Archiv des Jenaer Ernst‐Haeckel‐Haus ließen sich keine Unterlagen zum bearbeiteten Themengebiet finden.

In den Fußnoten werden die Bachschen Publikationen stets mit vollständigem Titel angegeben, andere nur in begründeten Ausnahmen.

Diese Stelle bietet die gute Gelegenheit zu einer natürlich nur stellvertretenden wie unvollständigen Danksagung an alle, die an der Verwirklichung des Projekts Anteil hatten. Herrn Prof. Dr. Uwe Hoßfeld (Jena), meinem Doktorvater, danke ich für die Betreuung der zugrunde liegenden Arbeit, den Mitarbeitern seiner Arbeitsgruppe Biologie‐Didaktik für anregende Diskussionen, in gleicher Weise für Ermutigung, gedanklichen Austausch und helfende Hinweise Herrn Priv.-Doz. Dr. habil. Georgy S. Levit (Jena/St. Petersburg) und Herrn Prof. Dr. Jörg Schulz (Jena). Frau Dr. Susanne Doetz (Berlin) gab mir weiterführende Hinweise auf Archivalien und lud mich zu Tagungen des Medizinhistorischen Instituts der Charité zur Geschichte der Humangenetik ein. Herrn Dr. Lutz Finke (Jena) verdanke ich reichhaltige Informationen allgemein zum Institut und speziell zu den Arbeiten im Bereich Paläanthropologie. Frau Prof. Dr. Gisela Grupe (München) teilte ihre Erinnerungen an Herbert Bach und seine Mitarbeiter mit mir und überließ mir großzügig einen Vorabdruck ihres gemeinsam mit Holle Greil verfassten Artikels zur Geschichte der Gesellschaft für Anthropologie. Frau Prof. Dr. Holle Greil (Potsdam) gab mir Auskunft zur Mitgliedschaft Bachs in den anthropologischen Fachgesellschaften und berichtete zu einigen Aspekten der Berliner An­thropologie. Ebenso danke ich Herrn Dr. Peter Schröter (München) für seine Informationen zur Geschichte der Anthropologie in der Bundesrepublik und seine wertschätzende Sicht auf Herbert Bach.

Für die Bereitstellung von Archivmaterialien bin ich dankend verpflichtet Herrn Thomas Lindenlaub von der Erfurter Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi‐Unterlagen sowie dem Direktor des Universitätsarchivs Herrn Prof. Dr. Joachim Bauer und in ganz besonderem Maße seiner Mitarbeiterin Frau Margit Hartleb. Sie mögen stellvertretend stehen für alle Beteiligten im Universitäts‐Archiv, im Rudolstädter Staatsarchiv und im Berliner Bundesarchiv.

Herrn Dr. Frank Boblenz (Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar), Herrn Dr. Diethard Walther (Museum für Ur‐ und Frühgeschichte Weimar), Frau Dr. Sabine Hackethal und Frau Dr. Hannelore Landsberg (Museum für Naturkunde Berlin) sowie Herrn Dr. Thomas Bach (Ernst‐Haeckel‐Haus in Jena) schulde ich Dank für ihre Auskünfte.

Frau Dr. Sieglinde Lindenlaub (Jena) und Herrn Axel Burchardt, M. A. (Pressestelle der Universität Jena) danke ich für die Bereitstellung von Fotos.


[1] Diskussionsbeitrag R. Toellner. In: Weisemann et al. (1997: 235).

[2] Siehe Ash (1997, 2002, 2006) und in diesem Zusammenhang auch Spiegel‐Rösing (1974) speziell zu Strategien der Statussicherung bezogen auf die Anthropologie.

[3] Vgl. hierzu auch die Überlegungen von Gottwald (2000) und John (1992).

[4] Die Arbeit war die erste umfassende Darstellung zu diesem international nicht unbekannten Jenaer Gelehrten. Fachhistorische Erwähnung fand er bis dahin bei Schwidetzky (1982, 1988) und Preuschoft (1972), ausführlich vor allem bei Hoßfeld (2000, 2005/2016) und bei Greil & Grupe (2015) sowie allgemein in jüngeren Publikationen zur Geschichte der Jenaer Universität, die wie das Beispiel Lenski (2017: 268) zeigt, mitunter stark fehlerbehaftet sind. Schwidetzky erwähnt Bach namentlich auf den Seiten 88 und 90 in Maus und Schlange in der „Genealogie“ der Institutsdirektoren und Habilitationen sowie das Jenaer Institut in ihrer Geschichte der Anthropologie auf Seite 67 mit den Worten „Jena ist heute der wesentlichste Mittelpunkt der Anthropologie in der DDR. Bach selbst stellte in mehreren Beiträgen die Entwicklung des Instituts, vor allem der einzelnen Arbeitsgebiete dar, siehe Bach, H. & Simon (1978): Institut für Anthropologie und Humangenetik und Bach, H. & Bach, A. (1989): Entwicklung, Stand und Aufgaben der paläanthropologischen Forschung am Institut für Anthropologie und Humangenetik der Friedrich‐Schiller‐Universität Jena. Die neueren Erkenntnisse finden sich in der zweiten Auflage der Hoßfeldschen Anthropologiegeschichte sowie bei Pittelkow & Hoßfeld (2016) und Pittelkow (2017).

[5] Siehe Bach, H. (1992: 108): Anthropologie und Ideologie in der DDR. Dennoch stellten die Sportanthropologen ihre Ergebnisse auf Tagungen vor, die Beiträge wurden veröffentlicht, siehe beispielsweise der 1981 von der Sektion Anthropologie herausgegebene Bericht von der 17. Arbeitstagung oder in Wiss. Z. Univ. Berlin, Med. R. 37(1988).

[6] Interessanterweise sind die akademischen Lehrer Bachs und Grimms, die Anthropologen und Völkerkundler Struck und von Eickstedt, Schüler des ersten Ordinarius für Anthropologie in Berlin Felix von Luschan, vgl. Bach, H. (1992), Grimm (1992) und Greil & Grupe (2015). Das Mitteilungsblatt der Sektion Anthropologie wurde von Schwidetzky in ihre Untersuchungen zur Lage der Anthropologie einbezogen, vgl. Spiegel‐Rösing & Schwidetzky (1982).

[7] Aus dem Interesse an fremden Völkern entstanden, wie es Mühlmann (1986: 13) formulierte, hat die Anthropologie die Variabilität der menschlichen Gattung, deren biotische Toleranz und Veränderlichkeit zum Gegenstand – oder um ein Bild Cavalli‐Sforzas (1994) zu gebrauchen, das Verschiedene im Gleichen. Damit war sie mit ihren Erkenntnissen und Theorien seit dem ausgehenden Mittelalter in den gesellschaftlichen Diskurs einbezogen, in welchem politische, juristische sowie ethische Vorstellungen ausgebildet und dabei konkrete Handlungsoptionen abgeleitet wurden. Wegen der Interdisziplinarität des Faches hinsichtlich der wissenschaftlichen Herkunft der Protagonisten, der Ausbildung der Methodik und der Auswirkung der gewonnenen Erkenntnisse bietet die Anthropologie der Wissenschaftsgeschichte ein faszinierendes Feld, zumal das Fach personell wie institutionell recht „überschaubar“ ist.

[8] „Die Geschichte einer Wissenschaft ist der Spiegel, in dem sie sich selbst erkennt. Hier tritt ihre Stellung im Rahmen der übrigen Wissenschaften klar heraus, hier zeigen sich ihre Erfolge und die Gründe derselben, die in ihrem Wesen liegen mögen oder in zeitgebundenen Nebensächlichkeiten. Hier werden auch, und daraus läßt sich noch mehr lernen, ihre Fehler und Irrtümer aufgedeckt, schwächlich‐modehaftes Schwanken und ihre Lücken. Damit sind auch den zukünftigen Pflichten, Zielen und Forderungen die Wege gewiesen. Nur wer die Vorgänge und Vorfahren kennt, kann wissen, was den Nachfolgern und Nachfahren an Aufgaben harrt. So besitzt über das rein sachliche Moment hinaus gerade die historische Würdigung eines Faches auch sittliche und unmittelbare praktische Bedeutung“ (Eickstedt 1937: 189).

 

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