Band 19 – Denkstile und Schulenbildung in der Biologie / Biologie und Politik

Kaasch, Joachim; Kaasch, Michael & Himmel, Torsten K. D. (Hg.)
Denkstile und Schulenbildung in der Biologie / Biologie und Politik. Beiträge zur 22. Jahrestagung in Gießen 2013 und 23. Jahrestagung in Bonn 2014 der DGGTB
(Verhandlungen zur Geschichte und Theorie der Biologie 19)
408 S., 17 x 24 cm, Abb. u. zahlr. Tab, engl. summaries
VWB‐Verlag, Berlin 2018
ISBN      978 – 3‐86135 – 440‐6
38,00 Euro
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Biologinnen und Biologen werden in einem besonderen Ausbildungsprozess für ihre Tätigkeit sozialisiert. Dabei spielen Methoden und Denkstile eine wesentliche Rolle. Diese werden u.a. in wissenschaftlichen Schulen, die durch herausragende Forscherpersönlichkeiten geprägt werden, vermittelt und weitergegeben. Auf diese Weise entstehen Traditionen, die sich mit Einrichtungen und Forscherkollektiven verbinden. Der Band behandelt die Auswirkungen von Schulen und Traditionssetzungen im Forschungs‐ und Ausbildungsprozess und bemüht sich insbesondere, die entsprechenden Karrierevorteile, aber auch die mit entsprechenden Schulbildungsprozessen verbundenen Risiken und Konfliktpotentiale an Beispielen und strukturellen Überlegungen deutlich zu machen.

Wissenschaft und Politik werden im Allgemeinen als deutlich getrennte Bereiche aufgefasst – und das vor allem auch durch die jeweiligen Akteure. Das gilt scheinbar auch für die Lebenswissenschaften und die Politik. Die Wissenschaftsgeschichte – und hier vor allem auch die Historie der Biowissenschaften – zeigt jedoch, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einerseits sehr wohl die besonderen Ressourcen der Politik für ihre Forschungsanstrengungen mobilisieren können und dazu verschiedene Strategien zur Anpassung einsetzen. Andererseits sind Politikerinnen und Politiker immer wieder in der Lage, ihrerseits Forschungsressourcen für ihre politischen Ziele und Vorstellungen zu nutzen, öfter sogar zu instrumentalisieren. Der Band verdeutlicht dies an Beispielen aus verschiedenen Epochen unter sehr unterschiedlichen politischen Rahmenbedingungen. Er zeigt, dass die Beziehungen von Lebenswissenschaften und Politik weit komplizierter sind, als es z.B. gängige Einschätzungen von Indienstnahme oder Missbrauch der Wissenschaften durch diktatorische Regime nahelegen.

Inhalt

Michael Kaasch, Joachim Kaasch & Torsten K. D. Himmel
Vorwort
S. 7
Teil 1: Denkstile und Schulenbildung in der Biologie. Beiträge zur 22. Jahrestagung in Gießen 2013
Michael Kaasch, Joachim Kaasch & Torsten K. D. Himmel
Denkstile und Schulenbildung in der Biologie – Einleitung
S. 11 – 17
Hermann Josef Roth
Scholastiker und Biologen – Naturforscher im Zwiespalt von Glaube und Wissen
S. 19 – 42
Rudolf Hagemann, unter Mitwirkung von Thomas Börner und Ralph Bock
Die wissenschaftliche Schule des Plastidengenetikers Erwin Baur
S. 43 – 67
Michael Kaasch
Von den Schwierigkeiten, eine Tradition weiterzuführen – Die Botanik an der Universität Leipzig nach 1945
S. 69 – 97
Brigitte Albers
Anna Gisela Johnen und die Entwicklungsphysiologie an der Universität Köln – Eine Erinnerung
S. 99 –113
Michael Schmitt
Die Ausbreitung der Phylogenetischen Systematik von Willi Hennig im deutschen Sprachraum von 1950 bis 1976
S. 115 – 125
Albrecht Meinel
Wissenschaftliche Beiträge des Pflanzenzüchters Wilhelm Rimpau zu Blütenbiologie und Vererbungsforschung im 19. Jahrhundert
S. 127 – 137
Bernd Rosslenbroich
Gegensatz und Synthese von Denkstilen am Beispiel der Evolutionstheorie
S. 139 –149
Hansotto Reiber
Genetisches Programm und Selbstorganisation stabiler Form. Die zwei Hirnhälften und Jahrtausende Koexistenz kontroverser Sicht der Welt
S. 151 – 178

Teil 2: Biologie und Politik. Beiträge zur 23. Jahrestagung in Bonn 2014
 Michael Kaasch, Joachim Kaasch & Torsten K. D. Himmel
iologie und Politik – Einleitung
S. 181 – 185
Michael Morkramer
Zwischen Freiheit der Wissenschaft und weltanschaulicher Bestimmung. Hermann Müllers Kampf um die Wahrheit
S. 187 – 198
Kevin Liggieri
Eugenik und Pädagogik. Zu Ellen Keys pädotechnischem Programm
S. 199 – 220
Sonja Walch
Die optimierte Leistungsträgerin. Eugen Steinachs Sexualhormonforschung und -therapien 1910 – 1925
S. 221 – 240
Lisa Garweg und Frank Leimkugel
Der österreichisch‐brasilianische Pharmakognost Richard Wasicky und das “Office Autrichien” 1940
S. 241 – 257
Martin Winterhalder
Gehirn und Subjekt in der Neuropsychologie Kurt Goldsteins
S. 259 – 271
Michael Kaasch
“Ich bin der Meinung, daß die Lage sehr ernst ist …” (Mothes an Ulbricht 1958) – Zum Verhältnis von Wissenschaft und Politik am Beispiel des Botanikers und Leopoldina‐Präsidenten Kurt Mothes
S. 273 – 309
Igor J. Polianski
Die roten Frankensteins. Organtransplantation und Wissenstransfer im Kalten Krieg
S. 311 – 322
Achim Trunk
Im Wettkampf mit Amerika: Denkschriften aus dem 20. Jahrhundert zur Lage der Biologie in Deutschland
S. 323 – 348
Hans‐Peter Ziemek
“Dann hebt wi hier de ganzen Negers und de annern Lüd” – Einblicke in die politischen und kulturellen Auseinandersetzungen um den Naturschutz im Wattenmeer nach 1945
S. 349 – 261
Dirk Thomaschke
“Direct information about the embryo”: Humangenetik in den 1970er Jahren in Deutschland und Dänemark
S. 363 – 379
Alban Frei
Unternehmen Wissenschaft. Forschung, Biotechnologie und die Schweiz um die Jahrtausendwende
S. 381 – 393
Personenregister S. 395 – 405

 

 

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